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Die Gehälter des DAI
#1
Ich habe jetzt lange überlegt wie man diesen Thread beginnen soll und was ich mir davon eigentlich erhoffe, aber schildere jetzt einfach mal meine Erfahrung, damit sich jeder seine Meinung dazu bilden kann.
Im übrigen finde ich es gut und wichtig wenn man Gemeinden bei zu niedrigen TVöD Einstufungen auf die Finger klopft und auch bei den Gehältern der Grabungsfirmen mehr Transparenz verlangt.

Ich finde es jedoch besonders schlimm, wenn Institutionen wie das DAI ihre Mitarbeiter ausbeuten. Das mag bei den befristeten wissenschaftlichen Mitarbeitern ja anders sein, dort als Grabungshelfer zu arbeiten ist finanziell aber ein schlechter Witz.

Mit Bachelor Abschluss erhält man 635€ im Monat. Natürlich arbeitet man Vollzeit, auch wenn das DAI die "Arbeitszeit" anders bemisst. Die Wochenarbeitszeit soll (40h-1)÷2 betragen, der Rest diene der Fortbildung. 
Selbst nach dieser Berechnung liegt das noch unter dem Mindestlohn, welcher natürlich im Ausland nicht eingehalten werden muss. Auf den Bruttolohn werden dann noch Reise- und Unterkunftkosten angerechnet die der Arbeitnehmer versteuern muss. D.h. am Ende bleibt Netto so gut  wie nichts übrig, erst mit meiner Steuererklärung im nächsten Jahr bekomme ich etwas zurück. 
StudentInnen ohne Abschluss erhalten im Übrigen je nach Berufserfahrung nur 300-550€, mit Masterabschluss sind es glaube ich knappe 1000€ brutto.

Wenn man wie ein Praktikant bezahlt wird, sollte das auch als Parktikum klassifiziert werden. Auch das Argument mit der Weiterbildung ist anmaßend. 

Sicherlich kommt jetzt die Frage auf warum man denn dann überhaupt so einen Vertrag unterschreibt und sich dann hinterher darüber beschwert. Aber es geht um tolle Projekte und das DAI hatnatürlich einen tollen Namen und als Studentin sieht man es als Chance, im Nachhinein ärgert man sich dann aber doch sehr

So ich hoffe ich werde jetzt nicht zerrissen ?
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  • raykarl, Planumsputzer
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#2
Erstmal vielen Dank Gloria für den Beitrag.
Beziehen Sie sich auf bestimmte Stellenausschreibungen? ich kenne da persönlich auch einige andere beim DAI..
Oder ist es tatsächlich eine persönliche Eigenerfahrung?

Mit freundlichem Gruß,
Sophie Rotermund
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#3
Nein, das ist meine persönliche Erfahrung
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  • Sophie Rotermund
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#4
Danke für den Beitrag. Zerrissen wird hier keiner. Es geht ja in diesem Forum genau darum, solche Themen anzusprechen.
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  • Sophie Rotermund
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#5
(06.04.2018, 12:25)Gloria schrieb: Mit Bachelor Abschluss erhält man 635€ im Monat. Natürlich arbeitet man Vollzeit, auch wenn das DAI die "Arbeitszeit" anders bemisst. Die Wochenarbeitszeit soll (40h-1)÷2 betragen, der Rest diene der Fortbildung. 
Selbst nach dieser Berechnung liegt das noch unter dem Mindestlohn, welcher natürlich im Ausland nicht eingehalten werden muss. Auf den Bruttolohn werden dann noch Reise- und Unterkunftkosten angerechnet die der Arbeitnehmer versteuern muss. D.h. am Ende bleibt Netto so gut  wie nichts übrig, erst mit meiner Steuererklärung im nächsten Jahr bekomme ich etwas zurück. 
StudentInnen ohne Abschluss erhalten im Übrigen je nach Berufserfahrung nur 300-550€, mit Masterabschluss sind es glaube ich knappe 1000€ brutto.

Wenn man wie ein Praktikant bezahlt wird, sollte das auch als Parktikum klassifiziert werden. Auch das Argument mit der Weiterbildung ist anmaßend. 

Eine Vollzeitstelle mit solch einer geringen Entlohnung ist wirklich erstaunlich in einem negativen Sinne.
Wie genau ist denn "Weiter- oder Forbildung" im Vertrag definiert worden?

Und nein, zerrissen wird hier Niemand! Smile
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#6
Hallo Gloria auch von mir.
Ja, die Beschreibung passt leider ins Bild vieler kulturwissenschaftlicher "Fortbildungen" oder "Einstiegspositionen". Auch mich interessiert da der Wortlaut des Vertrages: ist das wirklich eine Fortbildung im Sinne eines Volontariates oder Praktikums? Oder eigentlich eine normale Stelle mit Fortbildungsoption?
So oder so ist eine solche Entlohnung für Absolventen auf einer Stelle, die ein entsprechendes Fachstudium voraussetzt, indiskutabel! 
Ich kenne die Verträge des DAI nicht, aber falls es sich dabei um einen Vertrag nach TVÖD handelt, wäre Ver.Di. als Ansprechpartner eine Möglichkeit, sich entsprechend zu Wehr zu setzen, sofern man auf die Stelle nicht angewiesen ist. Der Landesarchäologe Daniel Meixner hat seinerzeit im LfD Bayern mit Hilfe der Gewerkschaft eine korrekte Einstufung seiner Tätigkeit, sowie eine Entfristung erwirken können. Natürlich besteht das Risiko, danach gehen zu dürfen. 

Auch möglich wäre einem der archäologischen Verbände - wie der DGUF - die Sache zu schildern, damit dieser den Mißstand öffentlich ansprechen bzw. die Presse darauf aufmerksam machen kann.

Genau deshalb thematisieren wir hier im Forum diese Probleme- damit möglichst viele prekär angestellte Archäologen sehen, dass es nicht nur ihnen so geht und zusammen da auch etwas bewegt werden kann.

Daher danke von mir für die offenen Worte!
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  • Sophie Rotermund
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#7
Sehr geehrte Gloria,
herzlichen Dank für den mutigen Beitrag! Man ist irritiert, denkt man doch, dass das DAI als staatliche Einrichtung (Behörde des Außenministeriums) klaren Tarifordnungen unterliegt. So ganz verstehen die hier Lesenden den Vertrag und die ausgeübte Tätigkeit nicht: es handelte sich um eine 50%-Stelle? Was ja zumindest auch bei Doktoranden üblich ist, wo man auch sagt: 50% Arbeit für's Projekt, 50% für die eigene Höherqualifikation. Aber was war die Basis, also welche Eingruppierung, welcher Tarif wurde bei Ihnen zu Grunde gelegt? Wenn, wie ich rate, die 635 € 50 % sind, müssten es ja (rechnerisch) 1.270 € Vollzeit gewesen sein. Das ist weit unter TVöD Bund 9b Erfahrungsstufe 1, was man bei einer Anstellung, die den Bachelor-Abschluss voraussetzt, eigentlich minimst bekommen müsste (http://oeffentlicher-dienst.info/c/t/rec...kk=15.5%25).
   Muss man in den persönlichen Details nicht öffentlich im Forum ausdebattieren. Wenn's drückt, empfehle ich, den Fall einfach & klar zu schildern, inkl. Kopie des Arbeitsvertrags, und sich an DArV, DGUF, CIfA zu wenden. Die könnten dem DAI ggf. einen Brief schreiben.
   Mir scheint aber Sophie Rotermunds Nachfrage sehr wichtig: Einzelfall; kommt öfter vor? Diese Recherche-Arbeit inkl. Beibringen von 1, 2 Parallelfällen, müsste man eigentlich selbst leisten, bevor man sich an die gen. Vereine wenden.

Herzliche Grüße und nochmals Danke für's Eröffnen dieses Themas! Frank Siegmund
PD Dr. Frank Siegmund (DGUF)
frank.siegmund@dguf.de
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  • Jasmin Rauhaus, Planumsputzer, Sophie Rotermund, Jutta
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#8
Ich finde die Idee einer Anlaufstelle für Archäologen in Glorias Lage auch sehr sinnvoll. Gerade, wenn man weiß, dass man sich dann nicht alleine direkt mit Klarnamen gegen den Arbeitgeber stellen muss, kann das auch die Hemmschwelle senken, gegen ungerechte Arbeitsverträge vor zu gehen.
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  • Sophie Rotermund
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#9
Guten Morgen,
ich bin besagter Daniel Meixner, finde die geschilderten Vorgänge unmöglich, und helfe - wenn ich kann - gerne. Wie lange ist denn der geschilderte Vertrag her?
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  • Sophie Rotermund, Planumsputzer, raykarl
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